RC2 oder RC3: Welche Widerstandsklasse brauche ich?

Bei der Auswahl einer Haustür stößt man häufig auf die Bezeichnungen RC2 und RC3. Sie geben an, welche Widerstandsfähigkeit eines vollständigen Bauelements gegen Einbruchversuche in einer Prüfung nachgewiesen wurde.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Haustür über eine RC-Klassifizierung verfügen muss oder grundsätzlich die höchstmögliche Widerstandsklasse gewählt werden sollte. Welches Sicherheitsniveau sinnvoll ist, hängt von den individuellen Anforderungen, den Gegebenheiten des Gebäudes und dem gewünschten Schutzniveau ab.
Entscheidend ist zunächst zu verstehen, was eine RC-Klasse tatsächlich aussagt und worin sich eine geprüfte Widerstandsklasse von einer Tür unterscheidet, die lediglich mit sicherheitsrelevanten Komponenten ausgestattet ist.
Das erfahren Sie in diesem Artikel
- Was bedeuten die Widerstandsklassen RC2 und RC3?
- Was ist der Unterschied zwischen RC2 und RC3?
- Welche RC-Klasse ist für eine Haustür sinnvoll?
- Wann ist RC2 ausreichend und wann kann RC3 sinnvoll sein?
- Was sagt die DIN EN 1627 über den Einbruchschutz aus?
- Warum gilt die RC-Klasse für die gesamte Türkonstruktion?
- Bedeutet eine Mehrfachverriegelung automatisch RC2 oder RC3?
- Welche Rolle spielt die Verglasung bei einbruchhemmenden Haustüren?
- Sind Haustüren aus Stahl oder Aluminium sicherer?
- Wie erkennt man eine tatsächlich geprüfte RC2- oder RC3-Haustür?
- Warum ist die fachgerechte Montage für den Einbruchschutz wichtig?
- Welche RC2-Lösungen bietet Feldmann & Mayer?
Was bedeuten RC2 und RC3?
Die Abkürzung RC steht für Resistance Class, also Widerstandsklasse, und beschreibt die Widerstandsfähigkeit eines Bauelements gegen Einbruchversuche.
Die Klassifizierung erfolgt nach DIN EN 1627. Die Norm gilt unter anderem für Türen, Fenster und weitere einbruchhemmende Bauelemente.
RC2 und RC3 stehen dabei für unterschiedliche Widerstandsniveaus des kompletten Bauelements.
RC3 stellt höhere Prüfanforderungen als RC2. Das bedeutet jedoch nicht, dass RC2 grundsätzlich einen unzureichenden Schutz bietet. Es handelt sich um unterschiedliche Widerstandsklassen, die entsprechend den jeweiligen Sicherheitsanforderungen gewählt werden können.
Die RC-Klasse gilt für die gesamte Tür – nicht für eine einzelne Sicherheitskomponente
Das ist einer der wichtigsten Punkte, die bei der Auswahl berücksichtigt werden sollten.
Die RC-Klasse ist keine Eigenschaft allein des Schlosses, des Türblatts, der Zarge oder der Verglasung. Bewertet wird die komplette Türkonstruktion als System.
Dabei spielen unter anderem Türblatt, Zarge, Verriegelungssystem, Beschläge, die Sicherung der Bandseite sowie – sofern vorhanden – die Verglasung eine Rolle.
Der Einsatz einer Mehrfachverriegelung, zusätzlicher Sicherungsbolzen oder anderer Sicherheitskomponenten bedeutet daher nicht automatisch, dass eine Tür die Widerstandsklasse RC2 oder RC3 besitzt.
RC2 und RC3 – worin liegt der Unterschied?
Einer der Unterschiede zwischen den Widerstandsklassen liegt in der Dauer des aktiven Angriffs während der standardisierten manuellen Einbruchprüfung.
| RC2 | RC3 | |
| Aktive Angriffszeit | 3 Minuten | 5 Minuten |
| Einbruchversuch | für RC2 definierter Werkzeugsatz und entsprechendes Prüfszenario | anspruchsvolleres Prüfszenario und erweiterter Werkzeugsatz |
| Widerstandsniveau | Anforderungen gemäß Widerstandsklasse RC2 | höhere Anforderungen als bei RC2 |
| Auswahl | abhängig vom gewünschten Schutzniveau | abhängig vom gewünschten Schutzniveau |
Wichtig ist, die Angaben von 3 beziehungsweise 5 Minuten richtig einzuordnen.
Sie bedeuten nicht, dass sich eine RC2-Tür nach drei Minuten und eine RC3-Tür nach fünf Minuten öffnen lässt. Gemeint ist die aktive Angriffszeit innerhalb eines standardisierten Prüfverfahrens, das unter definierten Bedingungen und mit den für die jeweilige Widerstandsklasse vorgesehenen Werkzeugen durchgeführt wird.
RC3 stellt somit höhere Anforderungen an die Konstruktion als RC2. Daraus folgt jedoch nicht, dass RC2 lediglich als Übergangslösung oder als unzureichender Schutz anzusehen ist.
Sollten Haustüren RC2 haben?
Eine RC-Klassifizierung ist nicht für jede Haustür verpflichtend.
Wenn bei der Auswahl jedoch eine nachgewiesene Einbruchhemmung zu den wichtigsten Anforderungen gehört, ist RC2 ein relevanter Orientierungswert.
Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes empfiehlt bei Neu- und Umbauten den Einsatz geprüfter und zertifizierter einbruchhemmender Bauelemente nach DIN EN 1627 ab der Widerstandsklasse RC2.
Diese Empfehlung sollte jedoch richtig verstanden werden: Sie bedeutet nicht, dass jede Haustür in Deutschland zwingend RC2 aufweisen muss.
Vielmehr bedeutet sie, dass RC2 als empfohlenes Widerstandsniveau gilt, wenn bei einem Neubau oder einer Modernisierung ein geprüftes einbruchhemmendes Bauelement eingesetzt werden soll.
Wann sollte RC3 in Betracht gezogen werden?
RC3 erfüllt höhere Prüfanforderungen als RC2 und kann dann sinnvoll sein, wenn ein erhöhtes Maß an Einbruchhemmung gewünscht wird oder sich dies aus einer individuellen Risikobewertung ergibt.
Pauschale Regeln wie
Wohnung = RC2, Einfamilienhaus = RC3
oder
RC2 = Basisschutz, RC3 = erst wirklich sicher
sind jedoch nicht zielführend.
Solche Vereinfachungen werden der Systematik der Widerstandsklassen nicht gerecht.
Bei der Wahl des geeigneten Sicherheitsniveaus sollten unter anderem die Lage und Zugänglichkeit des Eingangs, weitere vorhandene Sicherungsmaßnahmen am Gebäude sowie die individuellen Anforderungen der Nutzer berücksichtigt werden.
Eine höhere Widerstandsklasse bedeutet höhere Anforderungen in der Prüfung – aber nicht automatisch, dass sie für jedes Gebäude die sinnvollere Wahl ist.
Bedeutet eine höhere Anzahl an Verriegelungspunkten automatisch eine höhere RC-Klasse?
Nein.
Eine Mehrfachverriegelung kann die Sicherheit einer Tür erhöhen, führt für sich allein jedoch nicht zu einer RC-Klassifizierung.
Ein gutes Beispiel sind die Modelle DS92 von Feldmann & Mayer. Die Konstruktion verfügt unter anderem über eine 5-fache Winkhaus-Hakenverriegelung sowie sechs Sicherungsbolzen auf der Bandseite. Gleichzeitig weist Mayer die Möglichkeit einer RC2-Ausführung für entsprechende Varianten separat aus.
Daran wird der Unterschied zwischen
sicherheitsrelevanter Ausstattung einer Tür
und einer
nachgewiesenen Widerstandsklasse des gesamten Bauelements
deutlich.
Eine Tür kann also über zahlreiche Komponenten verfügen, die ein unbefugtes Öffnen erschweren, ohne automatisch als RC2 oder RC3 klassifiziert zu sein.
Welche Rolle spielt die Verglasung?
Verfügt eine Tür über eine Verglasung, ist auch diese Bestandteil der geprüften Konstruktion.
Es reicht daher nicht aus, eine beliebige Tür mit einer Verglasung bestimmter Sicherheitseigenschaften zu kombinieren und daraus abzuleiten, dass das gesamte Bauelement automatisch RC2 oder RC3 erreicht.
Wenn eine bestimmte Widerstandsklasse erforderlich ist, sollte geprüft werden, ob sie tatsächlich für die gewählte Türkonstruktion einschließlich der eingesetzten Verglasung und Ausstattung gilt.
Sind Stahltüren sicherer als Aluminiumtüren?
Die Widerstandsklasse lässt sich nicht allein anhand des Werkstoffs bestimmen.
Sowohl Stahl als auch Aluminium können für Türkonstruktionen eingesetzt werden, die mit sicherheitsrelevanten Komponenten ausgestattet sind oder über eine nachgewiesene Widerstandsklasse verfügen.
Statt also zu fragen:
„Welcher Werkstoff ist sicherer?“
ist die entscheidende Frage:
„Über welche Sicherheitsausstattung verfügt das konkrete Modell und wurde für die vollständige Konstruktion eine RC-Widerstandsklasse nachgewiesen?“
Wie erkenne ich, ob eine Tür tatsächlich RC2 oder RC3 hat?
Bezeichnungen wie „verstärkte Konstruktion“, „Mehrfachverriegelung“, „Sicherungsbolzen“ oder „Sicherheitsverglasung“ sollten nicht mit einer RC-Klassifizierung gleichgesetzt werden.
Wenn eine nachgewiesene Einbruchhemmung wichtig ist, sollte geprüft werden:
- ob die RC-Klasse für das vollständige Bauelement nachgewiesen wurde,
- ob sie für die konkret gewählte Ausführung der Tür gilt,
- ob die ausgewählte Verglasung und Ausstattung Bestandteil der geprüften Konfiguration sind,
- welche Montagevorgaben für die jeweilige Ausführung gelten.
So lässt sich zwischen Türen mit sicherheitsrelevanter Ausstattung und Türen mit einer geprüften Widerstandsklasse unterscheiden.
Warum ist die fachgerechte Montage wichtig?
Die Widerstandsfähigkeit eines kompletten Bauelements hängt nicht ausschließlich von der Konstruktion der Tür selbst ab.
Entscheidend ist auch, dass die Tür entsprechend den für das jeweilige Produkt geltenden Vorgaben fachgerecht im Baukörper befestigt wird.
Bei Türen mit nachgewiesener Widerstandsklasse müssen deshalb die Montageanleitung und die für das jeweilige Bauelement geltenden Einbauvorgaben eingehalten werden.
RC2 im Sortiment von Feldmann & Mayer
Im Sortiment von Mayer finden sich sowohl Türen mit unterschiedlichen sicherheitsrelevanten Ausstattungsmerkmalen als auch Konstruktionen mit nachgewiesener Widerstandsklasse RC2.
Ein Beispiel ist die Premium P90 RC2. Mayer gibt an, dass diese Konstruktion vom ift Rosenheim für die Widerstandsklasse RC2 zertifiziert wurde.
Bei anderen Baureihen sollte dagegen die Spezifikation der jeweiligen Ausführung genau geprüft werden. Die DS92 verfügt beispielsweise serienmäßig über eine 5-fache Hakenverriegelung und Sicherungsbolzen auf der Bandseite, während Mayer mögliche RC2-Ausführungen beziehungsweise entsprechende RC2-Lösungen separat ausweist.
Das ist ein wichtiger Unterschied, denn eine fehlende RC2-Klassifizierung bedeutet nicht automatisch, dass eine Tür „unsicher“ ist. Auch Türen ohne zertifizierte RC-Klasse können über zahlreiche sicherheitsrelevante Komponenten verfügen.
Eine RC-Klassifizierung liefert jedoch eine zusätzliche, klar definierte Information: Die Widerstandsfähigkeit der vollständigen Konstruktion wurde entsprechend den Anforderungen der jeweiligen Widerstandsklasse in einem standardisierten Prüfverfahren nachgewiesen.
RC2 oder RC3 – was ist die richtige Wahl?
Es besteht kein Grund, grundsätzlich davon auszugehen, dass RC2 lediglich ein Mindestniveau darstellt und erst RC3 einen zufriedenstellenden Einbruchschutz bietet.
Beide Klassen stehen für definierte Widerstandsniveaus gegen Einbruchversuche. RC3 stellt dabei höhere Anforderungen an die Konstruktion im Prüfverfahren.
Wenn eine nachgewiesene Einbruchhemmung gewünscht ist, stellt RC2 einen wichtigen Orientierungswert dar und entspricht der Empfehlung der deutschen Polizei für geprüfte einbruchhemmende Bauelemente bei Neu- und Umbauten. RC3 kann in Betracht gezogen werden, wenn ein höheres Widerstandsniveau erforderlich oder gewünscht ist.
Entscheidend ist jedoch, das Sicherheitsniveau an die tatsächlichen Anforderungen des Gebäudes und seiner Nutzer anzupassen, anstatt allein aufgrund der höheren Zahl automatisch die höchstmögliche Widerstandsklasse zu wählen.
Die RC-Klasse zeigt, welches Widerstandsniveau in einer standardisierten Prüfung nachgewiesen wurde. Welches Niveau für ein konkretes Gebäude sinnvoll ist, muss individuell beurteilt werden.






